Gerhard Michael
Ich habe ein paar Top 10 Listen für Besucher, denen ich Berlin zeigen möchte. Auf der Liste für die Erwachsenen oder neugierigen Jugendlichen steht dieses Museum ziemlich weit oben. Es ist super, geht hin, lasst euch überraschen. Kostet nichts. OK, ein bisschen ausführlicher: Das Museum zeigt das Ende des zweiten Weltkriegs und die Nachkriegszeit aus der Perspektive der Westalliierten und besonders der Engländer und Amerikaner. Auch wenn es gewissermaßen ein "parteiisches" Museum ist, stellt es diesen kleinen, aber so wichtigen und besonderen Teil der deutschen Geschichte historisch sauber, menschlich und spannend dar. Es ist gar nicht so leicht, so eine Epoche "greifbar" zu machen. Die großen Ereignisse finden nur noch auf Fotos und Dokumenten statt. Vielleicht noch ein Originalflugzeug (geöffnet alle halbe Stunde für ein paar Minuten), ein Zugabteil (nur für Führungen) und ein Jeep als Großexponate. Deswegen machen die vielen liebenswerten und interessanten "Kleinigkeiten" die Zeit so greifbar: Ein Hochzeitskleid aus Gardinenstoff, ein Fallschirm aus einem Taschentuch, eine Checkliste eines Luftbrücke-Piloten oder die Speisekarte eines Weihnachtsmenüs für deutsche Kinder, einschließlich Truthahn mit Preiselbeersoße. Didaktisch und designmäßig klasse gemacht. Da gibt es nichts zu meckern. In etwa 10 Jahren soll das Museum in den Flughafen Tempelhof umziehen und Teil des neuen Luftbrückemuseums werden. Hoffen wir, dass der Spirit erhalten bleibt. Wenn ich mir dafür noch etwas wünschen darf: mehr Film- und Tondokumente, Zeitzeugenberichte. Und vielleicht ein "Kapitel" zu Schwarzmarkt und Kriminalität. Wenn die Nachkriegszeit in Deutschland eine Zwiebel ist, konnte man bei Netflix in der Serie "The Defeated" von außen draufgucken. Hier gibt es zwar keinen Krimi, aber man kann ein paar Schichten tiefer gucken. Absolute Empfehlung!
vor 4 Jahren · Quelle: Google